Dentale Traumatologie

Zahnverletzungen sind die häufigsten Unfallfolgen im Kiefer- und Gesichtsbereich. Besonders häufig sind dabei Kinder und Jugendliche betroffen in Folge von Spiel- und Sportunfällen. Dabei kann es zu Verletzungen sowohl der Zahnkrone und -wurzel, als auch des Zahnhalteapparates und des Kieferknochens kommen. Folge sind Zahnlockerung und Frakturen bis hin zum kompletten Verlust des Zahnes.
Modernste Erkenntnisse der auf molekularbiologischer Ebene stattfindenden Heilungsabläufe bei Zahntraumata haben zu neuen Behandlungsmethoden geführt, die es uns erlauben, traumatisierte Zähne auch langfristig zu erhalten. Bei einer umgehend eingeleiteten Behandlung kann mit speziellen endodontischen Maßnahmen der Erhalt des Zahns häufig erreicht werden.

Liegt die Zahnpulpa aufgund einer Fraktur der Zahnkrone frei, wird die exponierte Stelle mit einem Medikament überdeckt und die Zahnkrone kann mit einem geklebten, zahnfarbenen Aufbau rekonstruiert werden. Geschiet dies unmittelbar nach dem Unfall, bevor die Pulpa durch Speichelbakterien infiziert wurde, hat eine jugendliche Pulpa durch Bildung von neuem Dentin die Fähigkeit, den Defekt von innen her auszuheilen. Die Pulpa bleibt vital, die Versorgung mit Blutgefäßen und Nerven bleibt erhalten.

Bei Verletzung des Zahnhalteapparates können gelockerte Zähne durch Schienung wieder gefestigt werden. Auch beim kompletten Verlust des Zahns kann durch eine Replantation, dem Zurücksetzen des Zahnes in sein Zahnfach, ein Zahnerhalt angestrebt werden. Auch hier ist eine sofortige Behandlung besonders wichtig, um ein Austrocknen der Wurzelhaut zu vermeiden. Unterstützen kann man dies, indem man den ausgeschlagenen Zahn nach Möglichkeit in das Zahnfach zurücksetzt oder sofort nach dem Unfall in Milch, Kochsalzlösung oder speziellen Transportmedien, wie sie in "Zahnrettungsboxen" enthalten sind, aufbewahrt, bis die endodontisch tätige Zahnarztpraxis erreicht wird.

Zahntraumen führen sehr häufig zum Absterben der Pulpazellen. Hier muss nun immer eine Wurzelkanalbehandlung erfolgen, um das nekrotische Gewebe zu entfernen und den Wurzelkanal bakteriendicht zu verschließen. Bei unvollständig abgeschlossenem Wurzelwachstum jugendlicher Zähne mit einer noch weiten Öffnung an der Wurzelspitze sind besondere Maßnahmen zu ergreifen. Ein unter dem Mikroskop eingebrachter Verschlußstopfen aus dem besonders gewebsfreundlichen Zement MTA ermöglicht eine Anlagerung von Knochen. Eine Ausheilung kann erfolgen.

Erste Hilfe bei Zahnunfällen:

Die folgende Übersicht beschreibt Ihnen die Sofortmaßnahmen, die Sie bei einem Zahnunfall unbedingt beachten sollten!
Abgebrochener Zahn:
Bei deutlich gesteigerter Empfindlichkeit auf Heiss und Kalt bzw. Schmerzen sollten Sie sofort einen Zahnarzt aufsuchen!

In seinem Zahnfach verschobener Zahn:
Zahn bei Möglichkeit in seine ursprüngliche Position zurücksetzen. Sofort Zahnarzt bzw. Endodontologen , aufsuchen!
Ausgeschlagener Zahn:
Zahn bei Möglichkeit wieder in sein Zahnfach zurücksetzen! Alternativ Zahn in Flüssigkeitscontainer der Zahnrettungsbox, in den Mund (Vorsicht wegen Verschlucken), in Milch oder ungünstigstenfalls in Wasser legen! So schnell wie möglich Zahnarzt, idealerweise Endodontologen aufsuchen!